André Wagner

Zeitspuren

18. Januar bis 2. März 2019

Vernissage: Donnerstag, 17. Januar 2019, 18.30 Uhr

Schwerpunkt künstlerische Arbeit

Charakteristisch für die Fotografien André Wagners ist seine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten und Motiven seiner Bilder. Zeit und Metaphysik spielen dabei eine besondere Rolle. Er möchte Konventionen des (Weg-)Sehens und des gedanklichen, oft vorschnellen Einordnens brechen.

Sein Ausgangspunkt ist nicht die Wiederverzauberung der Welt, sondern die Wiedersichtbarmachung der noch immer existierenden magischen Momente, die zu Sehen in der heutigen rationalisierten Welt absichtlich verlernt werden. Für ihn sind diese Momente, die übrigens auch stundenlang anhalten können, besonders deutlich in Indien zu finden. Daher kehrt er seit 2004 immer wieder auf den indischen Subkontinent zurück und macht sich dort auf Spurensuche nach der Essenz dieser Kultur und ihrer Fundamente.

 

Eine Brücke soll diese Kunst schlagen, die es ermöglicht, Abstraktes wie Spiritualität oder Erhabenheit im Gegenständlichen sichtbar zu machen. Allerdings will die Bildsprache des Künstlers weder predigen noch missionieren, sondern auf einem eher empathischen Level das Materielle mit dem Transzendentalen verbinden und das Unaussprechliche am menschlichen Dasein kommunizieren.

«Am aufgenommenen Bild manipuliere ich nicht mehr herum», ist André Wagner wichtig zu betonen. Seine Bilder werden nicht im Nachhinein durch Bildbearbeitung verfälscht. «Mein Photoshop ist die Zeit», sagt er.

Besonders beeindruckend zeigt sich das am Beispiel der Serie ‚Color Flow’, die er in Indien während des Holi Festivals aufnahm. Die Bilder, die über Stunden von dem bunten Treiben des heiligen Festes der Farben aufgenommen wurden, erinnern an abstrakte Malerei. «Als wenn ich in einem Gemälde stand beim Fotografieren», beschreibt André Wagner den Prozess, «und die Menschen waren die Pinsel».

In der Serie Color Flow treffen viele verschiedene Ebenen, die André Wagners Schaffen auszeichnen, aufeinander und verschmelzen wie die Menschen im Bild. Ähnlich wie auch bei dem Bild ‚Dimension Door‘ oder in der Serie ‚Sense of Purpose’ dokumentiert der Künstler eine im Verschwinden begriffene Welt der Götter und Dämonen, die in einem zweckrationellen westlichen Ordnungsdenken keinen Platz mehr hat. Sinnbildlich dafür stehen die mittlerweile geteerten Pilgerwege, deren Belag unter der Sonneneinstrahlung so heiss wird, dass die Gläubigen Schuhe tragen müssen - auf einem Weg, den sie seit Jahrtausenden barfuss bestritten haben.

Solcherart Rituale und heilige Orte stellen eine Verbindung zwischen Weltlichem und Spirituellem her, die André Wagner insbesondere mit Hilfe der Elemente sichtbar macht. Das Bild ‚virbrations’ beispielsweise nutzt Feuerwellen um auf die dem Ganges zugeschriebene Eigenschaft anzuspielen, Leiden zu lindern. Die wellenförmige Bewegung des Karma, die so bildlich festgehalten wird, spiegelt sich auch in den ‚Color Flow’ Bildern wider und zieht sich wie ein roter Faden durch das Werk des Fotografen.

Die Faszination mit dem Land Indien rührt indes nicht aus einer oberflächlichen Esoterik her, sondern aus einer eingehenden Beschäftigung mit Historie, Kultur und Religion des Landes. Sie kreuzt aber auch Punkte mit der eigenen ostdeutschen Biografie: „Es findet in Indien gerade ein Paradigmenwechsel statt. Ich befürchte, dass der ungeprüft übernommene westliche Lebensstil viel von dem verdrängen wird, was Indien als Kultur ausmacht.“

Dennoch soll seine Kunst nicht den Zeigefinger erheben, mahnen oder belehren. Sie soll lediglich das offene Gespräch suchen und Austausch über abstrakte Themen ermöglichen.

 

 

André Wagner

Der 1980 im sächsischen Burgstädt geborene André Wagner begann seine künstlerische Arbeit früh. Neben fotografischen Arbeiten, die im Jahr 2000 unter anderem beim Deutschen Jugendfotopreis im Berliner Martin Gropius Bau zu sehen waren, entstanden schon während der Schulzeit zum Teil grossformatige Graffiti-Werke, unter anderem gemeinsam mit seinem damaligen Mitschüler, dem Maler Lars Teichmann. Weitere Aufträge im Bereich der Graffiti - Kunst folgten.

Über die Graffiti-Kunst und Street Art kam André Wagner zur Fotografie. Zwischen 1999 und 2001 machte er eine Ausbildung zum Fotografen und war seit 2002 als freier Fotograf tätig. In diesen Jahren arbeitete er hauptsächlich für Magazine wie den «Stern», den «Rolling Stone» oder «Geo», und porträtierte Künstler, Musiker und Sportler. Danach wendete er sich freien Projekten als Fotokünstler zu. In den folgenden Jahren nahm er an vielen Einzel- und Gruppenausstellungen in renommierten Kunstgalerien, Museen und Kunstvereinen teil und stellte auf Kunstmessen im In- und Ausland aus.

2013 nahm er an der 55.Biennale von Venedig im Palazzo Bembo teil. Ebenfalls 2013 hatte André Wagner zwei Einzelausstellungen auf der «Kunst Zürich» wo er für den Zürcher «Advancement Art Award» nominiert wurde. 2014 wurde er von der «Photokina» in Köln eingeladen, ausgewählte Arbeiten seiner Monografie «Visions Of Time» in einer grossen Einzelausstellung zu zeigen. Im Jahr 2017 zeigte André Wagner zwei Museumsausstellungen im Museum Modern Art Altes Gaswerk Hünfeld und im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt, wo ein retrospektiv angelegter Querschnitt seiner Arbeiten zu sehen war. Ausserdem verwirklichte André Wagner auf Einladung mehrere Kunst am Bau-Projekte, wie etwa 2013 in Zürich in der Chirurgie und Handchirurgie FMH – oder für Mobimo Management eine grosse, mehrteilige Installation in dem Ensemble «Am Pfingstweidpark», ebenfalls in Zürich. Für die Düsseldorfer Boston Consulting Group installierte er eine 10 mal 5 Meter grosse Arbeit.

 

 

 

 

 

x-ray 2, 2016 © André Wagner

Orange Wave, 2016 © André Wagner