CHRISTIAN EGGENBERGER (CH)

CITY VIBES

JAZZ ICONS (Montreux 1975-78)

17. März bis 6. Mai 2017

Auf einem seiner Streifzüge durch die Strassen von New York stiess Christian Eggenberger 1995 auf die Bilderwelten zerrissener Plakatwände und wilder Aushänge. In diesem Mikrokosmos fand er seine Bilder. «Es war, als hätten sie darauf gewartet, von mir entdeckt und fotografiert zu werden», sagt Christian Eggenberger. «Diese Bilder verdichten, was New York für mich ausmacht.» Eine Leidenschaft war geweckt, die bald zu einer ersten Serie dieser Street Art führte.

 

Gewisse Bilder wirken wie Collagen, andere werden zuweilen nicht einmal als Fotografien wahrgenommen. «Mir gefällt es, wenn Bilder Grenzen zwischen den Genres aufheben», gesteht Christian Eggenberger. «Tatsächlich habe ich aber fotografisch festgehalten, was ich gesehen habe.» Bald folgte die verwandte Serie City Reflections.

Aufnahmen aus anderen Städten, wie London, Lissabon, Madrid und Mexico City, sind im Laufe der Jahre hinzugekommen. Die Ausstellung «City Vibes» in der Galerie 94 in Baden vereinigt grossformatige Fotografien von 1995 und 2014. Es sind vielschichtige Bilder, welche Zeit und Raum festhalten.

 

«Wer vor diesen Fotografien innehält, wird neue Einzelheiten entdecken, zugleich ins Bild eintauchen – und vielleicht die Vibes der Stadt verspüren.»

 

Auf Anregung des Galeristen zeigt Christian Eggenberger parallel dazu frühe Arbeiten in Schwarzweiss, die vor rund 40 Jahren entstanden sind. Als 22-Jähriger erhielt er seine erste Akkreditation am Jazz Festival Montreux und fotografierte hier seine «Jazz Icons» vor und hinter der Bühne.

 

Zitate zu «City Vibes»

«Die Wirklichkeit ist oft überraschender als unsere Fantasie. Deshalb bin ich aus Überzeugung Fotograf und nicht ein Studiofotograf, der sich seine Bilder zuerst ausdenkt und anschliessend im Studio realisiert. Ich glaube daran, dass meine Bilder irgendwie schon gemacht sind und darauf warten, von mir entdeckt und fotografiert zu werden.»

«Die zerrissenen Plakatwände und wilden Aushänge auf den Strassen New Yorks hatten mich schon immer fasziniert. 1995, als ich wieder einmal für ein paar Tage in New York war, passierte das Entscheidende: Auf einmal entdeckte ich in diesem Mikrokosmos neue Bilder, die für sich selbst sprachen. Beim Betrachten der ersten Aufnahmen wurde mir bewusst, dass meine Bilder kondensiert festhalten, was New York für mich ausmacht. Seither scanne ich auf meinen Städtereisen mit neugierigem Blick diese chaotisch anmutenden Wände, an denen wir meistens achtlos vorbeigehen.»

«Die Idee zu einer verwandten Serie schenkte mir der Zufall. 2004 wartete ich vor dem MoMA auf meinen Freund. Auf einmal sah ich, wie sich flüchtige Bilder New Yorks auf den verglasten Drehtüren des Museums spiegelten. Für mich halten auch diese Bilder Raum und Zeit fest.»

 

Zitate zu «Jazz Icons»

«In jungen Jahren war Montreux mein Mekka. Hier erlebte ich meine Musik von Pink Floyd bis Frank Zappa zum ersten Mal live. Das war mir aber nicht genug: Ich wollte möglichst kein Konzert verpassen, neue Musik entdecken. Und vor allem: Ich wollte Teil dieser Musikwelt sein. 1975 erhielt ich am Jazz Festival Montreux meine erste Zulassung als Fotograf. In der Folge sah ich die Grossen des Jazz hautnah von der ersten Reihe aus und konnte erst noch meine Bilder in zwei grossen Tageszeitungen publizieren. Als ich 1977 am Jazzsalon in Burghausen (D) einen Sonderpreis für «hervorragende bildmässige Fotografie» erhielt, wurde mir bewusst: Ich habe ein Auge, und Profis mögen, was ich sehe. Damals wusste ich noch nicht, wohin mich diese Erfahrungen führen würden. Einige Jahre später würde ich als Fernsehmacher für 10vor10 aus Montreux berichten.»

 

 

Christian Eggenberger (*1953 in Bern). Während des Studiums Freelance Fotograf und Journalist. Ab 1983 als Kulturredaktor und Beitragsmacher beim Schweizer Fernsehen. 1990-94 im 10vor10-Team. 1994-2001 Redaktionsleiter des Kulturmagazins neXt. Projektleiter von Fernsehreihen wie PHOTOsuisse, 2006 mit dem Zürcher Fernsehpreis ausgezeichnet. Produzent von Musiksendungen, Dokumentarfilmen sowie preisgekrönter Opernevents wie «La Traviata im Hauptbahnhof». Seit 2014 eigene Projekte, back to the roots als Fotograf.

2008 Gruppenausstellung im Haus der Kunst, Solothurn.

Webseite mit Blog www.bluxmoon.ch

Manhattan, NYC 2002 © Christian Eggenberger

Pink Leg, NYC 2004 © Christian Eggenberger

Tell, NYC 1995 © Christian Eggenberger